Trainer Roy Beck im großen Interview zum Saisonabschluss
Ehrliche und mahnende Worte lassen den Leser nachdenklich zurück
Hallo Roy, zunächst herzlichen Glückwunsch zum Vizemeistertitel. Was überwiegt am Ende der Saison: Die Enttäuschung, dass es zum zweiten Mal in Folge nicht zur Meisterschaft gereicht hat oder die Freude über das Abschneiden deiner Mannschaft?
Danke, Harry. Ja, zum zweiten Mal in Folge Vizemeister. Dass es wieder nicht zum Meistertitel gereicht hat, lag einfach an Meuselwitz, das einfach eine überragende Saison gespielt hat. Ich bin nicht enttäuscht, eher stolz auf die Mannschaft, weil die Männer das Optimale rausgeholt haben, was möglich war.
Kein seltenes Bild in der Saison: BW geht unter Führung seines Trainers siegreich zu den Fans.
BW hat 25/26 mit 20 Siegen abgeschlossen. Nur 6 mal gingen wir als Verlierer vom Platz. Mal abgesehen davon, dass jede Niederlage schmerzt: Welche war für dich diejenige, mit dem größten Ärger-Potential: in Meuselwitz beim ZFC oder die Heimpleite gegen Wismut II?
Das größte Ärgerpotenzial haben die beiden Niederlagen gegen ZFC Meuselwitz II. Wir hätten beide Partien gewinnen müssen, nur die zweifelhaften Entscheidungen der Schiedsrichter haben zu unverdienten Niederlagen geführt. Das ärgert mich extrem, weil die Mannschaft in beiden Spielen ihre besten Saisonleistungen abgerufen hat. Die anderen Niederlagen gehen in Ordnung und können im Laufe einer Saison passieren.
"Zweifelhafte Entscheidungen der Schiedsrichter" - die Niederlagen gegen ZFC Meuselwitz II waren größtes Ärgernis
Wie siehst du die Entwicklung der Mannschaft insgesamt im Vergleich zur Vorjahressaison?
Wir haben uns etwas gesteigert, am Ende 8 Punkte mehr geholt als in der Vorsaison. Natürlich ist immer etwas Luft nach oben und wir können uns noch steigern. Man muss aber auch klar sagen, dass wir mit dem kleinsten Kader der Liga wieder vorne mitgespielt haben, das verlangt großen Respekt und Anerkennung gegenüber unseren Spielern.
Mit 31 Gegentoren hat BW die zweitstärkste Defensive der Liga. Und mit dem viertbesten Sturm und dem Duo Müller/Menzel (48 Treffer) auch eine gefährliche Offensivwaffe. Was machen die Stärken von beiden Abteilungen aus?
Unsere Defensive hat sich mit Hannes, Pascal und den beiden Außenverteidigern immer besser eingespielt. Fehler wurden minimiert. Dazu erledigen die Sechser, besonders Paul, aber auch Ronny und Chris viel Defensivarbeit schon vor der Viererkette. Es funktioniert auch nur gemeinsam.
Es war schwer, gegen die BW-Defensive Tore zu erzielen. Auch Hamid Karacha hatte an Qulaität zuelegt.
So wie ganz vorne Lukas auch von den Zuspielen seiner Mitspieler profitiert. Vor dem Tor ist er schon viele Jahre gnadenlos und effizient. In diesem Jahr hat er die Latte noch einmal höher gelegt und fabelhafte 30 Tore erzielt. Paul ist auch offensiv eine Maschine und der torgefährlichste Sechser der Liga. Seine Kopfbälle sind in dieser Spielklasse nicht zu verteidigen. Auch er hat sich mit 18 erzielten Treffern in dieser Saison noch einmal gesteigert. Beide sind die Leader des Teams und für uns enorm wichtig.
"Kopfbälle von Paul sind in dieser Liga nicht zu verteidigen" - dieser gegen Motor Altenburg auch nicht
Kommen wir mal zu deiner Halbserienanalyse. Dort konnte man lesen: In der Winterpause wird Stand jetzt kein Spieler dazukommen. Ich arbeite sehr eifrig mit Hannes Poser zusammen, dass wir zum Saisonwechsel neue Spieler dazu bekommen. Aber einig sind wir uns, dass es eine neue Ausrichtung im Sinne des Vereins und seiner Fans geben wird. Aber dazu Genaueres im Sommer.
Was genau ist nun unter „neue Ausrichtung“ zu verstehen? Und warum gestaltet sich die Neugewinnung von Spielern für 2026/27 so schwierig? Immerhin sind wir Vizemeister und könnten mit diesem Pfund Interesse wecken?
Wir haben zur Winterpause mit Mussa Mumini und Samoil Talevski zwei Stammspieler verloren. Beide haben Zuwendungen vom Verein und/oder Sponsoren und viel Unterstützung bekommen, trotzdem den Weggang gewählt (Mumini Wismut Gera, Talevski Markleeberg Kickers – d.R.). Das wollen wir so in dem Umgang nicht mehr machen, weil es mittel- und langfristig nichts bringt und wir uns als Verein von Spielern nicht ausnutzen lassen wollen. Außer, wir benötigen kurzfristig Spieler. Diese müssen dann aber nicht nur qualitativ, sondern auch charakterlich zu uns passen.
Wir wollen verstärkt junge Spieler aus der Region Niederpöllnitz integrieren und spielen lassen. Sie sollen Bock haben, für Blau-Weiß zu spielen und sich in den Partien „den Arsch aufreißen“ für die Mannschaft. Wir brauchen Spieler, die sich zu 100 Prozent mit dem Verein identifizieren. Das muss der gesunde Weg für die nächsten Jahre sein. Es wird ein schwerer Weg mit Rückschlägen, aber den müssen wir gemeinsam meistern. Bis Hubis Jungs soweit sind, vergehen noch ein paar Jahre. In diesen Jahren sind wir alle gefragt, um nicht in der Bedeutungslosigkeit des Kreisfußballs zu versinken.
Ja, wir spielen um die Meisterschaft mit, haben sehr gute Trainingsbedingungen mit drei Plätzen und ein tolles Vereinsleben. Aber scheinbar zählt all das bei der heutigen Generation nicht mehr so viel. Es ist extrem schwierig geworden, nur Spieler zu gewinnen. Gemeinsam mit Hannes habe ich gefühlt 50 Spieler kontaktiert, dutzende Gespräche und telefonate geführt. Alle mit dem selben Ergebnis. Kein Spieler hat Lust, bis raus zu uns 20 Kilometer zu fahren. Man spielt in Gera lieber Kreisliga. Erschreckend und ernüchternd. Es ist eine andere Generation. Wie im normalen Leben. Junge Spieler wollen den geringsten Aufwand, kaum einer will sich noch richtig quälen. Ein Grund mehr, auf die Jugend im eigenen Einzugsgebiet zu setzen. Mit Til Woyke und Matti Vogel kommen jetzt genau solche Spieler dazu. Hoffen wir, dass beide Jungs mit dem gleichen Engagement und Fleiß an den Start gehen, wie es Niels Vogel getan hatte, der für alle Jugendspieler ein optimales Vorbild darstellt.
Mitten im Getümmel: Niels Vogel ist Vorbild für alle Jugendspieler
Da wir weiterhin mit dem kleinsten Kader an den Start gehen, sehe ich uns in der neuen Saison nicht mehr ganz vorn. Der VfL Gera wird Erster sein. Wir werden um die Plätze 3 – 5 spielen, was in Ordnung ist, wenn man eine schwierige Zeit zu überstehen hat. Das ist natürlich meine ganz persönliche Einschätzung.
Was noch zu sagen wäre, Roy und zu guter Letzt?
Ich danke erst einmal allen Betreuern, Torwarttrainern, dem Vorstand, allen Nachwuchstrainern und ehrenamtlichen Helfern. Ihr leistet prima Arbeit. Ich danke auch allen Frauen für die Unterstützung ihrer Männer und den Eltern bei der Unterstützung ihrer Kinder. Und letztlich allen Fans und Sponsoren für die super Unterstützung in der ganzen Saison. Ihr alle füllt den Verein mit Leben!
Ich habe in diesem Jahr Jubiläum. 20 Jahre an der Seitenlinie. Alle Höhen und Tiefen mitgemacht, alles erlebt, ganz viele Spieler kommen und gehen gesehen. Ich war immer mit 100 Prozent Überzeugung dabei, aber es fällt mir auch schwerer, mich nach der Arbeit noch zum Training aufzuraffen. Bisher habe ich es immer mit eigener Motivation geschafft. Aber es wird schwieriger und macht mich nachdenklich, wenn nach einer Niederlage alles negativ geredet und gemacht wird. Mich inbegriffen. Obwohl es vollkommen normal ist, innerhalb einer Saison auch Niederlagen zu kassieren. Aber nicht jeder versteht es … Das macht auch nach vielen Jahren etwas mit mir persönlich. Ich hoffe, das bessert sich wieder, ansonsten bin ich irgendwann nicht mehr bereit, mich aufzuraffen und übergebe meinen Platz an der Seitenlinie an einen der Bundestrainer!
Ich bin überzeugt, dass die Mannschaft trotz der Schwierigkeiten eine gute Saison spielt. Sport frei!
Roy, danke für die Einschätzung und viel Erfolg in der neuen Saison.


















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